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Software gegen Produktpiraterie im Internet

Hannover, 11.08.06 - Echte Bilder für gefälschte Produkte - keine Novität mehr im Internet. International agierende Produktfälscher klauen ungeniert die Fotos von den Websites und aus den Prospekten der Markenhersteller, um damit ihre billigen Imitate anzupreisen. Doch das Internet und ausgefeilte elektronische Suchmöglichkeiten helfen auch dabei, solche Angebote aufzuspüren.

Anlässlich der Ausstellung 'Weltmarken - Markenwelt, Vorsicht Plagiate' der IHK Darmstadt vom 28. August bis 31. Oktober 2006 informiert das Darmstädter Fraunhofer-Institut IPSI auf der eigens dazu gestalteten Internet-Website www.ipsi.de/markenschutz über die Möglichkeiten, digitale Bildwasserzeichen und dazugehörige Suchrobots einzusetzen, um Plagiate im Internet aufzuspüren.

Ähnlich wie bei dem bereits von den Wissenschaftlern um Dr. Martin Steinebach als Prototyp vorgestellten Tauschbörsen-Client, mit dem raubkopierte Musikdateien im Internet identifiziert werden können, sucht eine Software selbständig Wasserzeichen in den Bilddateien auf Shoppingportalen. Erkennt ein Suchagent auf einer Website ein Bild, das aus einem Herstellerkatalog stammt, kann der Hersteller automatisch darüber informiert werden. Voraussetzung ist natürlich, dass die Markenhersteller selber diese unsichtbaren Bildwasserzeichen in ihre Werbebilder eingebaut haben. Dann aber sind die Wasserzeichen praktisch nicht mehr zu entfernen. Selbst ein Verkleinern, Vergrößern, Ausschneiden oder andere Veränderungen an den Bildern hilft dem Markenpiraten nicht. Er kann, wegen der Unsichtbarkeit der Wasserzeichen, noch nicht einmal feststellen, ob seine Manipulationen erfolgreich waren oder nicht. Bisher bestand beim Einsatz digitaler Wasserzeichen immer die größte Herausforderung darin, markierte Inhalte auch wieder aufzuspüren, wenn sie zu illegalen Zwecken eingesetzt wurden. Das neue System durchsucht selbständig die ins Netz gestellten Dateien.

Nach einer aktuellen Studie der Universität Mainz ist zwischen 1998 und 2004 die Anzahl der vom Zoll beschlagnahmten Produktfälschungen um etwa 1000 Prozent gestiegen, die tatsächliche Zahl der gefälschten Produkte wird deutlich höher geschätzt. Während früher vor allem die Uhren-, Textil- und Parfumindustrie mit dem Problem zu kämpfen hatten, treffe es heute gleichermaßen beispielsweise auch die Pharmaindustrie oder die Automobil- und Flugzeugindustrie, erläutert Prof. Dr. Frank Huber vom Lehrstuhl für Marketing I der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. 'Über den Zeitraum von einem Monat haben wir Einzelversteigerungen der Internet-Auktionsplattform Ebay beobachtet, die das Markenprodukt 'Davidoff Cool Water Deep 100 ml' zum Verkauf anboten', so Huber. Dabei wurden 248 Auktionen mit insgesamt 256 Produkten ausgewertet. Das Ergebnis war beunruhigend: 84,4 Prozent der Produkte der Stichprobe ließen sich als Fälschung identifizieren, lediglich 7 Prozent als verkäufliches Original. 'Unternehmen müssen sich dieses gravierenden Problems bewusst werden', mahnt Huber. 'Das ist bereits ein erster Schritt, um gegen Marken- und Produktpiraterie erfolgreich vorzugehen.' Mangelnde Qualität bei einem gefälschten Produkt könne sich auf die Originalmarke auswirken. Ihre Image-, Prestige- und Vertrauensfunktionen werden missbraucht, das Ansehen der Marke geschädigt; ganz abgesehen von den enormen Umsatzeinbußen, die sich für große Unternehmen ergeben.

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